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AI Act der EU: Neuer Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz

von Nasita Mika, RA-MICRO Head of Communications | 07.08.2024

Das Europäische Gesetz über künstliche Intelligenz trat am 1. August 2024 in Kraft und soll den verantwortungsvollen Einsatz von KI-Technologien gewährleisten.

Angesichts der rasanten Entwicklung und Verbreitung von KI-Systemen sah der europäische Gesetzgeber in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, einen umfassenden rechtlichen Rahmen zu schaffen, der Sicherheit und Transparenz fördert und gleichzeitig die Rechte und Freiheiten der Bürger wahrt. Die ersten Entwürfe des AI Act wurden bereits 2021 vorgestellt, gefolgt von intensiven Diskussionen und Verhandlungen auf europäischer Ebene. Nach zahlreichen Überarbeitungen wurde das Gesetz schließlich im Frühjahr 2024 verabschiedet und am 12. Juli 2024 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Nun ist das Gesetz am 1. August in Kraft getreten, wobei die Vorschriften schrittweise angewendet werden und die allgemeinen Regelungen, erst nach 24 Monaten vollständig wirksam werden.

Ein besonders wichtiger Aspekt im Umgang mit KI ist der Datenschutz. Wie bereits bei der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Kontext von KI müssen auch im Rahmen des AI Act strenge Datenschutzvorgaben eingehalten werden. Diese Überlegungen sind besonders relevant, da der Schutz persönlicher Daten ein zentrales Anliegen des Gesetzes bleibt. Unternehmen und Entwickler sind daher verpflichtet, sicherzustellen, dass ihre KI-Systeme datenschutzkonform gestaltet sind, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen.

Ziele und Struktur des AI Act

Der AI Act verfolgt mehrere Hauptziele:

  • Sicherheit und Transparenz: Der AI Act soll gewährleisten, dass KI-Systeme sicher sind und transparent eingesetzt werden. Dies beinhaltet die Pflicht zur Offenlegung bestimmter Informationen, wie die Funktionsweise und die Datenquellen der KI-Systeme.
  • Risikoklassifizierung: KI-Systeme werden in verschiedene Risikoklassen eingeteilt, von minimalen bis hin zu unannehmbaren Risiken. Diese Klassifizierung bestimmt die regulatorischen Anforderungen, denen die jeweiligen Systeme unterliegen.
  • Schutz der Grundrechte: Ein zentrales Anliegen des AI Act ist der Schutz der Grundrechte der Bürger. Dies umfasst Maßnahmen gegen Benachteiligung, die Gewährleistung der Privatsphäre und den Schutz persönlicher Daten.
  • Innovationsförderung: Der AI Act soll Innovationen fördern, indem er klare Regeln und Standards schafft. Dies soll Unternehmen und Entwicklern mehr Sicherheit geben und gleichzeitig die Entwicklung sicherer und ethisch vertretbarer KI-Anwendungen unterstützen.
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Wesentliche Bestimmungen des AI Act

  • Risikobasierter Ansatz: Der AI Act sieht eine Einteilung von KI-Systemen in vier Risikokategorien vor: minimal, begrenzt, hoch und unannehmbar. Systeme mit unannehmbarem Risiko, wie beispielsweise „Social Scoring“-Systeme durch staatliche Stellen, sind verboten. Hochrisiko-KI-Systeme, wie solche, die im Bereich der kritischen Infrastrukturen oder im Gesundheitswesen eingesetzt werden, unterliegen strengen Auflagen.
  • Transparenzpflichten: Anbieter von KI-Systemen müssen umfassende Informationen über deren Funktionsweise und die verwendeten Datensätze bereitstellen. Dies soll sicherstellen, dass die Nutzer die Entscheidungen und Ergebnisse der KI nachvollziehen können.
  • Überwachung und Durchsetzung: Die Einhaltung des AI Act wird durch nationale Aufsichtsbehörden und eine neu geschaffene europäische KI-Behörde überwacht. Bei Verstößen werden Geldstrafen verhängt, die sich an den weltweiten Jahresumsätzen der Unternehmen orientieren.
  • Förderung von Forschung und Entwicklung: Der AI Act beinhaltet auch Maßnahmen zur Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich der KI. Dies umfasst finanzielle Anreize und die Schaffung von Test- und Experimentierumgebungen.
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Fazit

Der AI Act bietet einen klaren und einheitlichen Rechtsrahmen, der sowohl Sicherheit und Transparenz gewährleisten als auch Innovationen fördern soll. Unternehmen, die die neuen Standards erfüllen, können mit einem Wettbewerbsvorteil rechnen, da Vertrauen und Transparenz bei Kunden und Partnern zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ein Beispiel für innovative und datenschutzkonforme Anwendungen im juristischen Bereich ist der JURA KI Assistent, der bei der Anonymisierung von Daten unterstützt und eine rechtssichere Nutzung von künstlicher Intelligenz in Kanzleien ermöglicht.

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